"Ganz schön geschwitzt"

Zwei Bayern schreiben für das Linzer Theater über Fußball

Süddeutsche Zeitung vom 18. April 2008: Interview mit Andreas Hofmeir zur Premiere von "Der Ball ist wund"

Europa bereitet sich auf die Fußball-EM vor, das Landestheater Linz auf seine eigene Weise. Es hat ein Theaterstück dazu schreiben lassen – ausgerechnet von zwei bayerischen Kabarettautoren, Andreas Hofmeir und Roman Deininger aus Ingolstadt. Am heutigen Freitagabend wird „Der Ball ist wund” in Linz uraufgeführt.

SZ: Herr Hofmeir, als Deutscher in Österreich über Fußball zu witzeln, das ist mutig. Was fürchten Sie mehr, ein Attentat oder leere Ränge?
Hofmeir: Die Gefahr eines Attentats ist größer. Da aber die Bayern einen Sonderstatus haben und nicht zu den Piefkes gehören, fühle ich mich nicht stark bedroht. Die Oberösterreicher zählen uns sowieso zu ihrem Stamm.

SZ: Warum lassen sich die Österreicher von Bayern etwas zu ihrer Fußball-EM schreiben?
Hofmeir: Das Landestheater kann sich den Fauxpas bis heute nicht erklären.

SZ: Mit dem Kabarett-Ensemble „Qualkommission“ hatten Sie ein Programm zur WM 2006 herausgebracht.
Hofmeir: Stimmt. Das spielen wir auch noch, aber im Moment beschäftigen wir uns in „Wunder von Fern” eher mit den Nachwehen des Sommermärchens in Deutschland.

SZ: Kabarettisten spielen ja gerne mit Klischees. Sind Sie beim Schreiben ins Schwitzen gekommen?
Hofmeir: Es sind Bäche geflossen. Als Deutscher über Österreicher, das hat schon seine Brisanz, aber auch seinen Reiz. Außerdem habe ich mit meinem „Qualkommissions”-Partner Matthias Frohn einen waschechten Piefke an der Seite. Um Ausgewogenheit braucht man sich also nicht zu sorgen.

SZ: Legen Sie die Finger in die Wunden? Stichwort: Cordoba.
Hofmeir: Cordoba spielt eine zentrale Rolle. Unser Stück gipfelt in der Begegnung zwischen Deutschland und Österreich.

SZ: Die Schweizer sind ja auch noch beteiligt. Wie unterscheiden sich denn die drei Nationen?
Hofmeir: Der Österreicher ist grundsätzlich skeptisch. Bevor er sich blamiert, engagiert er sich erst gar nicht. Der Deutsche ist übermotiviert, macht sich selber künstlichen Druck. Und die Schweizer schauen wohl hauptsächlich drauf, dass sie einen guten Eindruck hinterlassen. Sportlich muss der nicht sein.

SZ: Wird die EM Spuren im Verhältnis zwischen den drei Ländern hinterlassen?
Hofmeir: Das wird sich zeigen. Während in Deutschland nur über Polen und Kroation gesprochen wird, gibt es für die Österreicher nur ein einziges Ziel: die Deutschen zu schlagen. Damit wäre für sie die EM gewonnen.

SZ: Sind denn die Österreicher schon im EM-Taumel?
Hofmeir: Ich sag’s mal so: Ein Linzer Buchhändler hat mir heute auf meine Frage nach Fußball-Literatur geantwortet: Da wäre lang nicht so viel im Angebot wie im Sommer 2006.

Interview: Sabine Buchwald

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